Nein, es war kein gutes Autojahr angesichts der beschlossenen Fahrverbote. Da macht sich eher Verunsicherung breit. Aber wie zum Trotz pilgerten die Tuning-Fans im Dezember in die Essener Hallen zur MotorShow. Über 360.000 Besucher sollen es dem Veranstalter nach wieder gewesen sein. Die Faszination Auto scheint ungebremst.

Klassiker als Zugpferd

Das Spektrum war breit wie nie: Sportwagen Tuning, Motorsport und Classic Cars, verpackt in Sonderschauen und Events mit viel Show und Action. In diesem Sinne räumte die Messeleitung dem Thema “Klassik” diesmal wesentlich größeren Raum ein. Fahrzeuge wie Audi Quattro, 3er BMW, Mercedes 190 2.3 16V, VW Käfer oder Wartburg konnten die Liebhaber begeistern. Das Kalkül der Messe ist es seit neuestem, den immer noch zahlreichen Tuning-Fans auch die Young- und Oldtimer schmackhaft zu machen. Michel Fransen, Geschäftsführer des Organisators S.I.H.A. gibt sich optimistisch “damit auch bei den jungen Besuchern die langjährige Begeisterung” geweckt zu haben.” So soll die Messe auf einer breiteren Basis stehen.

Top-restaurierte Klassiker auf der MotorShow 2018
Top-restaurierte Klassiker auf der MotorShow 2018: Eine gute sechsstellige Summe sollte der ‚Interessent für diesen Mercedes 190 vom Baujahr 1956 allerdings schon bereit halten. Für den normalen Tuningfreak nur schlecht erreichbar.

Umsätze stabil

Der Tuning-Branche geht es gut, kann der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Automobil Tuner (VDAT) Constantin Buschmann berichten. Die Umsätze bewegen sich seit Jahren wie auch 2018 auf einem stabilen, hohen  Niveau: “Insgesamt wird mit sportlichem Autozubehör in Deutschland ein Umsatz erzielt von rund 1,8 Milliarden Euro. Der Aftermarket, also das, was die Tuner betrifft, beläuft sich auf etwa 40 bis 45 Prozent, also round about 720 bis 750 Millionen Euro.” Der größere Teil geht dann allerdings in den Markt der Erstausrüstung und da machen die Autohersteller das Geschäft.

Trends – Reifen, Felgen, Sound

Tuning beginnt seit jeher bei Rädern und Reifen. Grund genug, für Reifenhersteller auf der Messe Flagge zu zeigen und den Kontakt mit den autobegeisterten Besuchern zu suchen. Allerdings kamen nur drei nach Essen, allesamt mit Neuheiten im Gepäck. Toyo den neuen Hochleistungsreifen Proxes TR1, Hankook das neue UHP-Flaggschiff Ventus S1 evo 3. Continental dagegen ging es weniger um die neue 24-Zoll-SUV-Dimension des bekannten ContiSportContact 6. Die Hannoveraner wollten sich mit Turboladern und Autositzen dem Publikum als Autozulieferer präsentieren und zeigen, so Tuning-Experte Michael Schneider, “wie weit unser Leistungsangebot für hochwertige Fahrzeugveredelung über die Reifen hinausgeht.”

Nach wie vor im Trend sind Leichtmetallräder, deren Vielzahl die MotorShow fast zu einer Felgenmesse macht. Neuheiten haben sie alle im Gepäck, etwa bei Alcar mit den beiden Marken AEZ und Dotz, sowie bei BBS, Ronal und Borbet, deren prämiertes LX-Rad zu den Highlights der Messe gehört. Gesucht wird die Ansprache der autobegeisterten Endkunden, ebenso wie der Kontakt mit Händlern: “Die Essen Motor Show ist für uns immer wieder eine tolle Gelegenheit unsere Produkte einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen”, resümiert Philip Müller von Ronal. Auch Sportauspuffanlagen gehören weiterhin zum Top-Trend, neuerdings besonders mit Soundgeneratoren. Diese sind inzwischen auch legal einsetzbar, weil sie über die entsprechenden europäischen Genehmigungen verfügen.

Felgen sind das zentrale Tuning-Produkt auf der EssenbMotorShow, EMS.
Tuning beginnt am Rad: Felgen sind daher das zentrale Tuning-Produkt auf der Messe. Hier eine der Neuheiten von Borbet, das GTY-Rad, demonstriert am Golf GTI. Trend im Felgenmarkt: Noch leichtere Räder.

Sportliche Diesel-Neuheit

Autohersteller Skoda aus dem VW-Konzern nutzte die Gelegenheit zur Deutschlandpremiere des Kodiaq RS. Das Besondere an der ab 2019 lieferbaren Neuheit: Die 239 Serien-PS kommen aus einem Zweiliter-Biturbo-Diesel der Euronorm 6d, was eine mutige Motorisierung ist angesichts der fortgesetzten Diskreditierung des Selbstzünders in Deutschland. Skoda ist allerdings der Meinung, dass der Diesel mit Harnstoffeinspritzung dennoch auch in Zukunft seine Berechtigung hat. Andere Hersteller schickten ihre sportlichsten Modelle über Händler, die Motorsportabteilung oder Fanclubs ins Rennen: So kam Renault mit dem neuen Mégane R.S. Trophy zur Deutschlandpremiere mit 300 statt 280 PS unter der Haube.

Andreas Leue und der neue Skoda Kodiaq mit 239 Diesel-PS.
Ein Skoda-SUV mit dem RS-Emblem. Skoda-Sprecher Andreas Leue und der neue Kodiaq mit 239 Diesel-PS.

Elektro noch kein Tuning-Trend

Auch die E-Mobilität ist auf der MotorShow angekommen, nicht zuletzt in Form des Kampagnenfahrzeugs für “Tune it! Save!” als modifizierter BMW i3 Coupé. Tuning und die Individualisierung von Fahrzeugen, so Constantin Buschmann, soll unabhängig von der Antriebsart gesehen werden. Ob das allerdings auch in den Köpfen der autobegeisterten Besucher so angekommen ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Da zählten eher der 900 PS starke Brabus 900 auf Basis eines Mercedes S65 oder der 1.500 PS starke Toyota Supra von Friedrich Motorsport als Highlights. Hier zählt noch die schöne, alte Autowelt, die nach Benzin riecht.

Das Kampagnenfahrzeug zu Tune it! Safe!
Das Kampagnenfahrzeug zu Tune it! Safe! bringt Zukunft in die Hallen: Ein von AC Schnitzer veredelter BMW i8 Coupé in Polizei-Optik nach seiner Enthüllung: Daneben Christian Theis, Ministerialrat im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur; Dietmar Olbrich, Vice President Sales & Marketing DACH von Hankook Reifen Deutschland; Constantin Buschmann, Vorstandsvorsitzender im Verband der Automobil Tuner und Han-Jun Kim, COO Hankook Europe.

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